Tamera

Ein sehr interessantes Interview über die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft „Tamera“. Ich habe heute das erste Mal davon gehört und bin beeindruckt von den Ansätzen, die hier gelebt werden.

KenFM im Gespräch mit: Martin Winiecki und Juliane Eckmann

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Die falsche Medizin für die falsche Krankheit

Ich habe in dem Buch „Der Sturm vor der Ruhe“ von Neale Donald Walsch einen Abschnitt gefunden, der mich tief bewegt:

Während das 21. Jahrhundert voranschreitet, befinden wir uns in der Lage, dass wir die falsche Krankheit mit der falschen Medizin zu kurieren versuchen. Das, wovon wir glauben, es wäre nicht in Ordnung mit uns, ist in Wahrheit völlig in Ordnung. Und deshalb ist das, wovon wir uns die Lösung unserer Probleme erhoffen, überhaupt keine Lösung.

Die größte Schwierigkeit in der heutigen Welt besteht darin, dass wir immer wieder mit dem Versuch fortfahren, unsere Probleme auf jeder anderen Ebene zu lösen, nur nicht auf der Ebene, auf der sie wirklich existieren.

Zuerst versuchen wir, unsere Probleme zu lösen, als wären sie politische Probleme, weil wir auf diesem Planeten daran gewöhnt sind, politischen Druck einzusetzen, um die Leute dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollen.

Wir diskutieren, wir schreiben Gesetze und verabschieden in jeder lokalen, regionalen, nationalen, und globalen Sprache und in allen Gremien Resolutionen in dem Bemühen, die Probleme mithilfe von Worten zu lösen – aber das funktioniert nicht. Alle kurzfristigen Lösungen, die wir uns ausdenken, verpuffen nach kurzer Zeit, und dann tauchen die Probleme erneut auf. Sie verschwinden einfach nicht.

Also sagen wir: „Okay, das sind keine politischen Probleme, und sie lassen sich mit politischen Mitteln nicht lösen. Es sind ökonomische Probleme.“ Und weil wir auf diesem Planeten daran gewöhnt sind, wirtschaftliche Macht einzusetzen, um die Leute dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollen, versuchen wir dann, die Probleme zu lösen, als wären es ökonomische Probleme.

Wir wenden gewaltige Geldsummen auf oder halten Geld zurück (zum Beispiel bei Wirtschaftssanktionen), um die Probleme mithilfe von Geld zu lösen. Aber das funktioniert nicht. Alle kurzfristigen Lösungen, die wir uns ausdenken, verpuffen schon bald, und dann tauchen die Probleme erneut auf. Sie verschwinden einfach nicht.

Also sagen wir: „Okay, das sind keine wirtschaftlichen Probleme und man kann sie mit ökonomischen Mitteln nicht lösen. Es müssen militärische Probleme sein.“ und weil wir auf diesem Planeten daran gewöhnt sind, militärische Macht einzusetzen, um die Leute dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollen, versuchen wir dann, die Probleme zu lösen, als wären es militärische Probleme.

Wir schießen auf die Leute, die unserer Ansicht nach die Probleme verursachen, und werfen Bomben auf sie, um die Probleme mit Waffen zu lösen. Aber das funktioniert nicht. Alle kurzfristigen Lösungen, die wir uns ausdenken, verpuffen schon bald, und dann tauchen die Probleme erneut auf. Sie verschwinden einfach nicht. Und dann, wenn uns keine anderen Lösungen mehr einfallen, heißt es: „Das sind verwickelte Probleme. Niemand sollte erwarten, dass wir sie über Nacht lösen können. Das wird ein zäher, mühsamer Kampf. Viele Menschen werden bei der Lösung dieser Probleme ihr Leben lassen. Aber wir geben nicht auf. Wir werden die Probleme lösen, auch wenn es uns das Leben kostet.“ Und wenn wir solche Sätze sagen, erkennen wir noch nicht einmal die Ironie darin.

Nach einer Weile werden selbst primitive Lebewesen von sehr geringer Bewusstheit des Tötens müde. Sie werden es müde, dass ihre Söhne und Töchter in der Schlacht sterben und ihre wehrlosen Frauen, Kinder und alten Leute in die Schusslinie geraten. Nachdem also viele, viele ihre Leben lassen mussten, ohne dass eine Lösung in Sicht ist, wird ein Waffenstillstand verkündet, und es finden Friedensverhandlungen statt. Und dann beginnt der ganze Zyklus wieder von vorn…

Wir sind wieder beim politischen Taktieren als Lösungsversuch. Und in Friedensverhandlungen spielen oft Reparationszahlungen und wirtschaftlicher Wiederaufbau eine Rolle. Und so landen wir wieder beim Geld als Lösung. Und wenn diese Lösungen sich langfristig als untauglich erweisen, fangen wir wieder an, Bomben zu werfen.

So geht es immer weiter, und so ist es während der gesamten Menschheitsgeschichte gelaufen. Die Namen der Akteure haben sich geändert, aber das Spiel ist das gleich geblieben. Wahnsinn ist es, die gleiche Sache wieder und wieder zu tun, aber stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Dass wir unfähig scheinen, unser Verhalten zu ändern, liegt an unserer Gewohnheit, Lösungen herbeizwingen zu wollen.

Doch Lösungen, die man erzwingen muss, sind überhaupt keine Lösungen. Sie haben lediglich eine aufschiebende Wirkung.

Die große Tragödie und die große Traurigkeit der Menschheit bestehen darin, dass wir uns immer wieder mit Notlösungen zufriedengeben, die die Probleme nur vertagen, statt echte Lösungen anzustreben.

Nur primitive Kulturen und primitive Geschöpfe tun das. Hoch entwickelte Wesen würden niemals zehntausend Jahre lang Notlösungen wählen, die immer nur für kurze Zeit Linderung bringen, statt ihre größten Probleme dauerhaft zu meistern. Hier auf diesem Planeten haben wir uns dem größten Problem der Menschheit noch nie wirklich gestellt. Wir sind ihm immer ausgewichen. Wir verweigern uns einer Lösung. Wir tun, als wüssten wir gar nicht, was dieses Problem ist. Und so führen wir unseren endlosen Tanz um es herum auf.  Jahrhundert für Jahrhundert fahren wir fort, das Problem unserer Welt auf jeder anderen Ebene zu lösen, nur nicht auf der Ebene, auf der es wirklich existiert.

Das habe ich gemeint, als ich zu Beginn dieses Gesprächs sagte, dass die Dinge nicht sind, was sie zu sein scheinen.

Das Problem in der heutigen Welt ist ein spirituelles Problem. Es hat damit zu tun, woran die Menschen glauben.

Es hat damit zu tun, was sie in Hinblick auf das Leben, Gott, sich selbst und ihren Mitmenschen für wahr halten.

Dieses Problem des Glaubens erzeugt einen Zustand der Hoffnungslosigkeit, der Hilflosigkeit, der Wut und der Rebellion. Dieser Zustand führt letztlich – unvermeidlich – zu unkontrollierbaren Ausbrüchen von Gewalt.

Dieses Problem, das sich daraus speist, woran Menschen glauben, haben wir alle gemeinsam erschaffen. Denn wir alle glauben an irgendetwas. Und wir alle geben unseren Glauben und unsere Überzeugungen an andere weiter – an unsere Kinder und Enkelkinder, an unsere Nachbarn und Freunde.

Gemeinsam erschaffen wir eine Kultur-Geschichte…und diese Kultur-Geschichte bringt jene Zustände hervor, die wir zu beseitigen und zu vermeiden versuchen.

Doch es wird uns erst gelingen, sie zu beseitigen und zu vermeiden, wenn wir die Glaubensüberzeugungen beseitigen und vermeiden, durch die sie entstanden sind – und genau dem haben wir uns bislang beharrlich verweigert. Bei mindestens der Hälfte dieser Überzeugungen oder Glaubenssätze haben wir vermutlich längst vergessen, dass wir sie überhaupt haben. Das werde ich jetzt sofort ändern.